Notfallplätze für hilflose ältere Menschen fehlen – Polizei darf nicht letzte Auffanglösung sein
Immer häufiger wird die Polizei in Rheinland-Pfalz zu Einsätzen gerufen, bei denen ältere, desorientierte, demente oder akut hilflose Menschen aufgegriffen werden – oft außerhalb der regulären Dienstzeiten von Ordnungsbehörden und Sozialdiensten. Das zeigt eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Anette Moesta sowie die nun vorliegende Antwort des Innenministers.
„Der konkrete Anlass für meine Anfrage war mein Tag bei der Polizei“, erklärt Anette Moesta. „Die Beamtinnen und Beamten kümmern sich verantwortungsvoll und menschlich um hilflose ältere Menschen – häufig abends, nachts oder am Wochenende. Doch sie dürfen nicht dauerhaft die letzte Auffanglösung sein, weil geeignete Notfallplätze fehlen.“
Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass es keine belastbaren Zahlen zu solchen Einsatzlagen gibt, da entsprechende Fälle weder in der Polizeilichen Kriminalstatistik noch in den Vorgangssystemen systematisch erfasst werden. Zudem bestätigt das Innenministerium, dass der Polizei in diesen Situationen oft keine speziellen Notfall- oder Kurzunterbringungsplätze in Senioren- oder Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Krankenhäuser lehnen Aufnahmen mangels medizinischer Indikation häufig ab, Sozialdienste und Ordnungsbehörden sind außerhalb der Regelzeiten nicht erreichbar – am Ende verbleibt die Betreuung nicht selten bei der Polizei.
„Das ist weder für die Betroffenen würdevoll noch für die Polizei eine tragfähige Lösung“, so Anette Moesta. „Ältere Menschen brauchen Schutz, Ruhe und fachliche Betreuung – keine stundenlange Unterbringung auf Polizeidienststellen.“
Die Landesregierung verweist in ihrer Antwort auf den Zukunftspakt Pflege, in dessen Rahmen auch Notfall- und Kurzzeitpflegeplätze für Krisensituationen geprüft werden sollen, insbesondere für Nächte, Randzeiten und Wochenenden. Konkrete Strukturen oder Zeitpläne benennt sie jedoch nicht.
Für Anette Moesta ist klar: „Die Antwort zeigt, dass das Problem erkannt ist – aber noch keine Lösung existiert. Wir brauchen verbindliche, landesweit erreichbare Notfallplätze, auf die Polizei und Ordnungsbehörden rund um die Uhr zugreifen können.“ Gerade im ländlichen Raum, etwa im Landkreis Mayen-Koblenz, sei dies von zentraler Bedeutung.
Sie fordert daher, Pflege‑, Innen- und Sozialpolitik stärker zusammenzudenken: „Es geht um Menschenwürde, um Entlastung der Polizei und um ein funktionierendes Hilfesystem. Wer Pflege ernst nimmt, muss auch für solche Ausnahmesituationen Vorsorge treffen.“
Anette Moesta kündigte an, das Thema weiter politisch zu begleiten: „Die Praxis zeigt den Handlungsbedarf. Jetzt ist das Land gefordert, aus Prüfaufträgen endlich konkrete Strukturen zu machen.“
